Auf Deutsch

100_1763

Nächste Station: Westener Dorfstrasse, wo mein zweites Heim liegt. (Débora Medeiros)

Ich weiss, nicht so viele Leute werden dieser Text verstehen, aber es war unmöglich, die gleiche Wörter auf eine andere Sprache zu schreiben.

Jede Sprache ist, für mich, eizigartig. Wenn ich auf Englisch schreibe, alles klingt so entfernt, als ob die Erfahrungen und Gefühle nicht zu mir gehörten (das ist aber etwa therapeutisch). Auf Portugiesisch ist es das Gegenteil: alles klignt zu persönlich, sogar wenn es nicht über mich ist.

Portugiesisch ist meine Muttersprache und die Muttersprache meiner Leser. Deshalb verstehen wir uns so gut – zu gut, vielleicht. Wenn ich ein Text auf Portugiesisch veröffentliche, fühle ich mich fast nackt – jeder kann zwischen den Zeilen lesen, denke ich. Na klar, es lohnt sich: manchmal finde ich andere Leute, die genau wie ich fühlen, und entdecke ich neue Freunde.

Englisch ist die Sprache meiner Jugend. Durch das Lernen von Englisch habe ich eine neue, grosse Welt erfahren. Damals hatte das Internet keine Grenze: ich konnte verschiedene Kenntnisse bekommen und Leute auf der ganzen Welt kennenlernen. Ich fühlte mich, als ob ich ein Teil einer weltweiten Gesellschaft wäre. Und die einzige gemeinsam wir alle hatten war die englische Sprache.

Deutsch ist aber Freiheit. Es ist eine ehrliche Sprache, weil es aus eine ehrliche Kultur kommt. Deswegen kann ich auch ehrlich sein und über meine Gedanken und Gefühle schreiben – ohne Druck, ohne Angst.

Wahrscheinlich hat dieser Text viele, viele Fehler. Ich lerne noch. Die wichtigste ist, dass ich noch schreiben kann. Ohne Übung, jeder Tag verliere ich mein Deutsch ein bisschen mehr: ich vergesse Wörter, die ich schon kenne, und auch die kleine Erinnerungen diese Wörter tragen.

Jedes deutsche Wort erinnernt mich an meine Zeit in Deutschland – und an Schnee, fremde Strassen, einfache Freundschaften, Entdeckungen, Zuverlässigkeit, Geschichte und Unabhängigkeit. Entweder ich künftig zurück nach Deutschland gehe oder nicht, immer wenn ich auf Deutsch schreibe, werde ich diese Gefühle wieder erleben. Für ein paar Minuten bin ich noch einmal in Düsseldorf, die Stadt, die mein anderes Leben hält, das zweite Heim meiner Jugend. Das ist ein Teil von mir, das ich nie verlieren will